Tobias Huth

    back and forth through my mind

    Erst einmal einen herzlichen Dank an alle die, die mich in diesen elf Monaten begleitet, beraten unterstützt und natürlich über den Blog verfolgt haben. Vielen Dank, dass ihr mir treu geblieben seid und mich nie im Stich gelassen habt.

    Ich muss sagen, dass die elft Monate, die ich in Neuseeland verbracht habe, nicht hätten besser laufen können. Das Glück hat mich auf den knapp 16.000 km meiner Reise verfolgt. Ich hatte Glück, im Oktober und November als fast einziger unter den Backpackern, in Hastings eine Arbeit zu haben. Ich hatte Glück, dass ich mich meinen taiwanesischen und kantonesischen Mitbewohnern bei ihrer Reise auf die Südinsel anschließen durfte. Ich hatte Glück, in Queenstown bei der Arbeitssuche Pech zu haben. Sonst hätte ich nie das Glück gehabt, einen so einzigartigen Menschen wie meine Freundin kennen zu lernen. Zu zweit war unser Glück doppelt und wir hatten immer einen vollen Bauch, ein Dach über dem Kopf und gefüllte Taschen – es hat uns an nichts gefehlt.

    Besonderes Glück hatte ich auch mit meinem Auto. Zwar hat es uns das Reisen manchmal nicht einfach gemacht, doch hat es uns nie im Stich gelassen. Ich musste nie eine größere Werkstatts-Rechnung bezahlen und konnte es am Ende trotzdem ohne große Mühe verkaufen. Danke, Leaky! Mögest du noch lange vor dich hinrollen und -rosten!

    Die Erfahrungen, die ich in diesen elf Monaten gesammelt habe, sind mit Gold nicht aufzuwiegen. Ich habe gelernt, für mich selbst und andere zu sorgen und Verantwortung zu tragen. Hier und da wurde ich meiner Blauäugigkeit und Naivität beraubt. Ich glaube, ich habe viel über mich selbst und die Welt erfahren und damit mein Ziel erfüllt, mit dem ich im September letzten Jahres gestartet bin: “Ein Stück Freiheit zu finden.”

    In den nächsten Wochen werde ich mich um eine WG bemühen und hoffentlich bis zum Studienbeginn im Oktober ausziehen können. Im Wintersemester beginne ich dann Maschinenbau an der TU Dresden.

    Wir sind nun wieder in der “Bucht der Inseln” (Bay of Islands). Für mich ist es nun das dritte mal, das ich hier bin. Wir haben uns wieder in unserem Lieblingshostel “Peppertree” (Pfefferbaum) eingebucht.

    Um ein bischen günstiger zu kommen und nicht den ganzen Tag faul rumzuhängen, helfen wir nun den Gastgebern beim putzen – zwei Stunden am Tag. Dafür müssen wir nur $10 bezahlen und wohnen in einem hellen, großen Doppelzimmer. Das Hostel ist modern, geräumig und hell und ist um Längen besser als alles, was man in Auckland finden könnte. Unsere Gastgeber sind super nett, dankbar und zufrieden, so dass wir morgen sogar ohne Aufpreis in ein besseres Zimmer (mit Badezimmer) umziehen dürfen.

    So verbringe ich die letzten Tage mit Kochen, Backen und Fotos sortieren. Im Hostel sind viele Backpacker und es gibt viele Geschichten und Erfahrungen zu tauschen. Ich glaube, dass ich in einem Jahr viel erlebt  und wenig falsch gemacht habe. Ich denke, ich habe das Jahr erfolgreich gemeistert – ohne Unfälle, Geldnöte oder schlimme abgezockt zu werden. Besser hätte mein Auslandsjahr nicht laufen können.

    Nach einer Woche Auckland haben wir nun alles hinter uns gebracht, was noch anstand, bevor wir zurückfliegen.

    Größte Aufgabe war es, das Auto zu verkaufen. Mitsammt 2 Isomatten, 2 Schlafsäcke, 1 Kühltruhe, 3 Stapelkisten, 5 große Teller, 4 kleine Teller, 2 Schüsseln, 3 Tassen, 3 Gabeln, 4 Messer, 4 große Löffel, 4 kleine Löffel, 1 Kochtopf mit Deckel, 2 Bratpfannen, 3 Camping-Kochtöpfe, 1 Camping Kocher plus Feuerzeug, 1 Vorhängeschloss, 1 Auto-Atlas, Besen und Kehrschaufel, 1 Lenkradschloss und 1 Feuerlöscher. Für den ganzen Spaß habe ich von einem Aucklander $900 bekommen. Der hat an dem ganzen Pfeffer aber wenig Interesse. Er braucht das Auto nur für seine Windsurf-Ausrüstung, weil ihm sein Ledersitz-Allrad-Schlachtschiff dafür zu Schade ist. Besser als es einem der vielen Inder (“Viele Menschen testen Auto, niemand kaufen … Ich geben dich Geld jetzt!!!!”) in den Rachen zu werfen, nur weil sie $700 in kleinen Scheinen vor deiner Nase wedeln.

    Die vielen Bücher habe ich für insgesamt $10 verkauft und damit immernoch $8 Gewinn eingefahren. Die alten Klamotten und mein Bettzeug habe ich ans rote Kreuz gespendet. Der Rest ist in der Tonne gelandet.

    Was übrig geblieben ist, steckt jetzt in dem sichtlich geschrumpften Rucksack und meiner Umhänge-Tasche. Das größte Gewicht macht immernoch unser Essen aus. Doch das werden wir auch noch los.

    Der zweite große Job sind Souveniers. Viele habe ich schon gekauft, aber ich besorge gerne noch mehr. Wenn jemand noch etwas möchte, dann hat er noch ~10 Tage Zeit mir das über den Blog oder per email zu schicken. Die Adresse findet ihr unter “Getting in touch”.

    Folgendes steht hierbei unter anderem zur Auswahl:

    • Umhänger (Aus Knochen oder Jade; für Formen einfach mal “Bone carving NZ” oder “Jade NZ” googeln)
    • Cremes / Salben
    • Honig (z.B. Manuka)
    • T-Shirts (u.A. Rugby Motive)
    • Plüsch Kiwis oder Schafe
    • Holzschnitzereien (Moari-Motive wie Masken, Figuren, … oder Lesezeichen)
    • Ohrringe / Anhänger aus Paua-Muschel (eher für Frauen)
    • diverse Possum-Fell-Artikel (Handschuhe, Mützen ect.

    Jeder darf sich gerne ein oder zwei Sachen aussuchen. Als Geschenk natürlich.

    Morgen gehts dann mit dem Bus wieder aus Auckland zurück in die Bay of Islands wo wir die letzten 10 Tage absitzten werden.

    Lang ist es her seit des letzten Eintrages … da war wohl die Motivation ein wenig weg. Jetzt habe ich allerdings reichlich Zeit. Wo fangen wir an? Zuerst die letzten Züge meiner Reise:

    Rotorua

    Eine knappe Woche waren wir dort und haben allerhand erlebt. Die Stadt gilt als Touristenhochburg – die meisten kommen besonders wegen den vielen vulkanischen Aktivitäten. Überall blubbert es und heißer Schwefeldampf steigt geisterhaft aus feinen Spalten im Boden. Besonders jetzt in der Totenstille der Nebensaison kommt einem da das Schaudern. Kein Wunder, dass die meisten Orte in der Region Namen wie “Teufelstopf” oder “Höllentor” tragen.

    Die Geysire sind allerdings etwas dürftig und lassen einen Topf kochendes Wasser im Vergleich spektakulär aussehen. Besser sind hingegen die Mountainbike-Strecken durch den „Red Wood Forest“ (Kanadische Rotfichten). Leider war bei meiner Freundin zu schnell die Luft raus und wir sind nicht weiter als die einfachsten Routen gekommen.

    Mehr von Erfolg gekrönt war da das Rafting. Mit einer Tour sind wir in einem quietsch-gelbem Schlauchboot den höchsten kommerziell befahrbaren Wasserfall hinunter gestürzt. Ganze sieben Meter geht es vertikal in die Tiefe bevor das Boot fast vollständig unter Wasser taucht und manchmal mit dem Boden nach oben auftaucht. Wir hatten allerdings Glück und mussten keine Verluste beklagen. Nur schweinekalt war es. Normalerweise findet das Spektakel im Sommer im 20°C warmen Wasser statt – bei uns waren es vielleicht 5°C. Nicht vergessen! Es ist Winter im Land der Kiwis.

    Zum Schluss noch eine echte Überrauschung. Am ersten des Monats hatten meine Freundin und ich unser Halbjahres-Jubiläum. Von einem Freund konnten wir uns zwei Tickets ergattern, für ein erstklassiges Dinner-Buffet in einem Panorama-Restaurant in der Bergstation einer Seilbahn, hoch über dem See. Das Essen war das beste, welches ich in Neuseeland gegessen habe – für meine Freundin waren auch jede Menge Meeresspezialitäten dabei. Das Personal hatte extra für uns einen Tisch liebevoll dekoriert und wir hatten das Restaurant nach um sieben fast für uns alleine. Ein gelungener Abend. Und bezahlt haben wir fast nichts. Im Winter ist man hier rare Kundschaft und wird wie hoher Staatsbesuch behandelt.

    06-exodus-69

     

    Whakatane

    Nicht weit von Rotorua entfernt liegt diese kleine Stadt. Zu sehen gibt es hier nicht viel. Wichtigste Attraktion ist eine aktive Vulkaninsel “White Island” (Weiße Insel) unweit der Küste. 90 Minuten dauert die Überfahrt – zu lang für meinen Magen bei diesem schweren Seegang. Selbst meine Freundin hat es kurz vor Schluss erwischt – die vorher noch beteuert hat sie wäre nie Seekrank und würde das locker weg stecken. Das ganze Boot war voll mit verkrampften, kreidebleichen Gesichtern und zitternden Händen. Es war so gut endlich auf dem (relativ) festen Boden der Insel zu stehen.

    Hier erwartete uns eine lebensfeindliche Schwefel-Wüste voll mit “vulkanischen Blasen” – kleine, mit kochendem Schlamm gefüllte Hügel mit einer dünnen, zerbrechlichen Kruste. Wir kreuzen kleine Bäche mit giften Farben. Jeder Stein trägt einen anderen Farbton von Grün, Gelb, Rot oder Orange. Über unseren Köpfen brausen Dampfsäulen aus der Felswand ähnlich der Pfeife eines Teekessels. Immer wieder sehen wir erstatte Bäche aus reinem (zuvor flüssigen) Schwefel. Dieses muss tausend Grad heiß gewesen sein um so an die Oberfläche zu kommen. Dann erreichen wir den Kratersee – der jede Woche eine andere Farbe und Temperatur zu scheinen hat und oft mit dichten Dampfschwaden verhüllt ist. Auf dem Rückweg passieren wir eine alte Schwefelfabrik. Ein stummer Zeuge des verzweifelten Kampfes zwischen Menschen und den Urgewalten der Natur. Alles was nur entfernt metallisch ist rostet innerhalb kürzester Zeit zu Staub. Die meisten Gegenstände aus Menschenhand wie Reißverschlüsse und Rucksäcke zerfressen sich selbst – es scheint so als würde sich die Landschaft gegen ihre Besucher wehren.

    <SAMSUNG DIGITAL CAMERA>

    Coromandel

    Danach ging es zu dieser Halbinsel unweit von Auckland. Wie zu erwarten war hier nicht viel besonderes. Ein imposanter Steinbogen führt zu “Cathedral Cove” einer schönen Bucht an der Küste. Der Bogen entstand durch Felsstürze und diese finden natürlich auch heute noch statt. Deshalb wurde der Bogen offiziell geschlossen. Das DOC (Amt für Natur und Landschaftsschutz) hat daher zwei sauhässliche Schilder neben den Bogen genagelt und den Eingang mit hässlichen gelben Strippen zu gehangen. Bilder zu machen daher unmöglich. Frechheit! Natürlich hat mit das ganze Spektakel wenig beeindruckt. Bessere Bilder konnte ich von der Rückseite machen – nachdem ich hindurch gelaufen bin.

    Bei Hotwater Beach (Strand mit heißen Quellen) kann man bei Ebbe seine eigene heiße Quelle im Sand graben. Leider haben es die Welle unmöglich gemacht ein tiefes Loch aus zu heben. Also haben wir uns nur die Füße und Hintern verbrannt.

    06-exodus-91

    Northland

    Auch das ist für mich nichts neues. In der Bay of Islands (Bucht der Inseln) haben wir mehr entspannt als unternommen. Highlight war hier das 1000-Teile-Puzzle aus dem Hostel. Im Winter gibt es wenig zu machen: Eine Fährfahrt in die frühere (… ganz viel frühere …) Hauptstadt Neuseelands „Russel“; noch zwei olle Wasserfälle; das älteste Steinhaus Neuseelands (… wie spannend …) und Kayak. Letzteres fiel ins Wasser, denn der Wind war leider viel zu stark und hat das Vorwärts kommen in der Bucht unmöglich gemacht. Selbst ein improvisiertes Abschleppseil zwischen meinem Kayak und dem meiner Freundin, hat wenig gebracht. Trotzdem war der Aufenthalt angenehm. Das Gebiet um Kerikeri befindet sich in den ersten Zügen der Orangen-Saison, was mich sehr an die ersten Tage in Motueka erinnert hat, als wir nach einer Arbeit in der Apfelsaison gesucht haben.

    Weiter ging es dann Richtung Cape Reinga, der nördlichen Spitze Neuseelands. Hier konnten wir endlich den Sand surfen. Unweit des Kaps sind einige gigantische Sanddünen, die sich hundert Meter hoch, steil aus dem Regenwald erheben. An ihren Hängen kann man mit umfunktionierten „Body Boards“ (kleine Surfbretter), ähnlich wie auf einem Schlitten, rodeln. Also ist der Traum meiner Freundin von Schnee wenigstens ein bisschen wahr geworden. Danach wollten wir den Sonnenuntergang am Kap bewundern, leider ist es bei ein bisschen Abendrot geblieben – die Wolken sind wieder Schuld.

    Am nächsten Tag geht die Fahrt an die Küste der Riesenbäume, genannt „Kauri“. Diese gigantischen, turmartigen Bäume stehen dort vereinzelt im Wald. Der älteste, Tane Mahuta, der Herr des Waldes, wird von manchen Experten auf über 2.000 Jahre geschätzt. In seiner riesigen Krone befindet sich ein eigener, kleiner Wald mit über 20 verschiedenen Pflanzenarten und kleineren Bäumen. Sein Stamm gleicht einer riesigen Säule, die in der Maori-Mythologie den Himmel trägt und ihn so von der Erde trennt.

    06-exodus-107

    Damit endet unsere Reise durch Neuseeland und wir kehren in die größte Stadt Neuseelands, Auckland, zurück.

    Wir sind seit heute Mittag wieder in Rotorua.

    Fünf Tage haben wir verbracht in Taupo, der Stadt am gleichnamigen See – eigentlich der Krater eines riesigen Vulkans. Leider wurden uns die zwei Highlights von schlechtem Wetter versaut: Die Skigebiete blieben trotz etwas Schneefalls geschlossen. Genauso wie das (anscheinend) tief verschneite „Tongariro Alpine Crossing“ – einem spektakulären alpinen Wanderweg. Nur wenige Tage zuvor war der Weg noch ohne Winterausrüstung gangbar. Doch die dichte Wolkenschicht und die frostig kalten Böen hätten uns ohne hin den Spaß verdorben. Etwas Sonnenschein hatten wir dann gestern während unserer Quad-Tour. Auf mittelgroßen, ausreichend motorisierten Maschinen heizten wir durch den Dschungel – meistens in einem ein meter tiefen, zwei meter breiten Graben. Der typisch neuseeländische Besitzer hat im Alleingang mit einem uralten Bagger ein gigantisches Wegsystem in den dichten Wald und steilen Hänge gegraben – genug um sich zwei Stunden auszutoben. Selbst … besonders meiner Freundin hat der fahrbare Untersatz Spaß gemacht. Zuvor hat der Besitzer der Anlage übrigens Hirsche mit der Flinte gejagt … in einem Hubschrauber sitzend!

    Den Abend haben wir dann im Spa Pool gefeiert: Auch hier gilt: (genauso wie an allen kostenlosen heißen Quellen) Kopf über dem Wasser halten! Sonst bekommt man eine ekelhafte Amöben-Infektion ins Gehirn die sogar tödlich sein kann.

    Heute habe ich mir zum zweiten Mal Wai-O-Tapu – dem besten Thermal-Park in der Gegend – angeschaut. Im Winter ist alles vollkommen ausgestorben – kein Geräusch, außer des leisen Blubberns der Quellen, zu hören. Da wirkten die dichten Dampfschwaden noch unheimlicher als im Sommer.

    Morgen erkunde ich dann (zum zweiten Mal) Rotorua und Umland. Vielleicht fahre ich ja wieder Fahrrad – genauso wie im letzten Jahr.

    <SAMSUNG DIGITAL CAMERA>

    Das Wetter spielt verrückt: Wolken, Regen und warmes Wetter statt Sonnenschein, Schnee und Kälte.

    Als wir am Freitag nach New Plymouth gefahren sind, konnten wir den mächtigen Mt Taranaki (Mt Egmont) noch sehen – ein Anblick den wir für die nächsten vier Tage nicht hatten. Stattdessen eine dichte Wolkenschicht die nicht weichen wollte und nur manchmal ein bisschen auf riss. Das raubte jedem Spaziergang in der Taranaki-Region jede Aussicht auf den mächtigen, vulkanischen Gipfel und damit jeden Reiz.

    Schlechtes Wetter macht das Reisen in Neuseeland fast unmöglich – nur die wenigsten Aktivitäten sind bei Regen möglich. Zwar gibt es ein Schwimmbad – jedoch ist dies (ähnlich dem Zoo in Wellington) nach europäischen Maßstäben mehr als unspektakulär. Die Kunstgalerie haben meine Freundin und ich wieder einmal nicht verstanden – scheinbar zu kunst für uns. Und die ewig gleichen Museen haben langsam auch ihr Besonderes verloren. Schade um die fünf Tage die wir in Taranaki verbracht haben. Essen war unser einziger Trost bei diesem Sauwetter.

    Meine erste italienische Pizza ist dafür unglaublich gut gelungen. Alles selbst aus Grundzutaten hergestellt. Die Kruste hauchdünn, außen knusprig, innen luftig-weich. Mir schlug tiefer Respekt von allen Seiten entgegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die nochmal so gut gelingt. Nur einen Rand zu formen habe ich vergessen.

    Gestern sind wir nach Taupo – ins Landesinnere gefahren. Sechs Stunden sind waren wir unterwegs. Drei davon auf dem „Forgotten World Highway“ (Straße durch die vergessene Welt). Ähnlich wie schon am „East Cape“ ist hier schlichtweg Streckenweise gar nichts. Für einige Kilometer fährt man sogar über Schotter statt Teer. Immer wieder sehen wir wilde Ziegen, verlassene Höfe und überwucherte Grundstücke. Highlight für mich ist ein 100m langer, einspuriger, unbeleuchteter Tunnel.

    Hier in Taupo wollen wir das Tangariro-Alpine-Crossing wagen – was um diese Jahreszeit manchmal öffnet. Eigentlich wollten wir hier uns auch im Schnee vergnügen – jedoch wir daraus leider nichts: kein Schnee in Neuseelands Skigebieten. Das ist eine Katastrophe und so in den letzten 50 Jahren nicht vorgekommen.

    Jetzt warten wir auf besseres Wetter.

    06-exodus-32

    Wanganui

    6 comments

    Wir haben mit der Hauptstadt abgeschlossen und reisen nun weiter nach Norden. Gerade sind wir in Wanganui, einer Stadt an der Mündung des fast gleichnamigen „Whanganui River.“ Leider bin ich gerade nicht wirklich zu großen Unternehmungen aufgelegt und kränkel etwas vor mich hin.

    Am Sonntag stand ein Besuch im Zoo von Wellington an. Wenn man europäische Zoos kennt – dann wird man hier zwar nicht groß ins Staunen geraten – aber vielleicht macht gerade das seinen Charme aus. Hauptattraktion ist natürlich das Kiwi-Haus. Doch so leicht sind die kleinen Biester auch hier nicht zu Gesicht zu bekommen – denn man läuft geradewegs durch ihr unterirdisches Gehege und muss leise und geduldig sein, damit sich einer von ihnen im schwach-roten Licht zeigt. Der erste Versuch ging daher schief: laute Kiwi-Balgen und schreiende Kinder und Eltern die minutenlange Vorträge in Kleinkinder-Sprache halten, vermasseln uns die Tour. Erst gegen Ende der Öffnungszeit hat sich das ganze Fußvolk verzogen und wir sehen, was uns auf Steward-Island verwehrt blieb. Selbst ein einbeiniger Kiwi, der sich nur hüpfend fortbewegen kann sorgt für unsere Belustigung.

    Auch bekommen wir unseren ersten „West-Coast-Sunset“ (Sonnenuntergang an der Westküste) zu Gesicht. Bei klarem Wetter kann man von Plimmerton (wo wir wohnen) auf die Südinsel schauen.

    Heute Nachmittag haben wir uns in einer Freiflug-Voyere zum Durchlaufen von Vögeln umzingeln lassen. Den Tip hierzu habe ich schon vor einem guten Jahr von Paul bekommen. Echt einmalig! Ein riesiger Vogelkäfig und man steht mitten zwischen Papageien, Tauben, Truthähnen, Fasanen und vielem mehr. Doch ungemütlich wurde es, wenn ein schwarzer Vogel am Himmel die Vögel kräftig durcheinander wirbelte und wir uns kauernd auf den Boden gehockt haben.

    Zur Zeit bin ich ein bischen neben der Spur: Ein Glas Nutella und Pflaumenmus, eine Flasche Sweet Chilly Sauce und Shampoo, eine Packung Müsli, $12 in Bar und fast meine Kamera sind heute meiner Schusslichkeit zum Opfer gefallen. Meine Freundin muss da hart gegenlenken.

    Morgen geht es nach New Plymouth weiter.

    06-exodus-26

    Im Nieselregen fuhr die Fähre am Dienstag ab. Das gewaltige Schiff “Kaitaki” der Interislander-Flotte bringt uns von Picton – an der Spitze der Südinsel – nach Wellington, der Haupstadt Neuseelands, am Fuß der Nordinsel. Ganze vier Stunden ist sie unterwegs. Während der Fahrt können wir die Fjordlandschaft, genannt “Marlborough Sounds”, und das Schiff selbst bewundern. Das Schiff ist riesig: 181,60m lang, 22.365t schwer und ausgerüstet mit vier Hauptmotoren á 5.760kw, vier Generatoren (zwei á 1340kw, zwei á 2200kw) und zwei Schubdüsen á 1500kw. Die schwimmende Burg fasst 600 Autos, 1650 Passagiere und ein paar hundert Kühe, Züge und Lastwagen – wenn’s sein muss. Picton bleibt hinter der riesigen Esse am Heck des Schiffs zurück. Die letzten Blicke schweifen über die Südinsel – wo ich die letzten sechs Monate verbracht habe. Der Bug zeigt Richtung Nordinsel – wo wir unsere Reise forsetzten.

    06-exodus-6

    Am Abend erreichen wir Wellington – welches sich ähnlich wie Hongkong auf engstem Raum zusammenquetscht. Daher ist der innerstädtische Verkehr die reinste Katastrophe. Leider hält der einzige vernünftige Kartenleser in unserem Auto schon Lenkrad und Schalthebel in den Händen. Angekommen am Hostel kommt der erste Schock: Knackige Preise und leere Schränke in der Küche, eine gefährliche Steckdose über dem Bett und leere Kondomverpackungen daneben machen die erste Nacht zu einem unangenehmen Erlebnis. Am nächsten Tag suchen wir erfolglos in der Innenstadt nach besserer Unterkunft. Die Backpacker hier haben sich an die heftigen Preise und versüfften Hostels gewöhnt – Party ist wichtiger. Also raus aus der Innenstadt! Plimmerton ist eine kleine, verträumte Gemeinde im Speckgürtel von Wellington, nur 20min auf dem Motorway One nach Norden. Die Überraschung: Wir bekommen eine attraktive Wochenrate im besten Hostel Neuseelands (laut BBH 2004). Das Hostel erinnert eher an ein Hotel: Handtücher; luxeriöse Badezimmer; geräumige, brandneue Küche und gemütliche Lounge. Das ganze für nur $40 pro Nacht – Doppelzimmer!

    06-exodus-9

    Am nächsten Tag erkunden wir weiter Wellington: Cable Car, Shopping und Fast food stehen auf dem Programm. Ich bin begeistert von meinem neuen Outfit. Jemand sollte ein vertrautes Kleidungsstück wiedererkennen.

    06-exodus-15

    Das letzte Kapitel meiner Reise in Neuseeland beginnt. Die Arbeit ist erledigt: In insgesamt fünf Arbeitsstellen habe ich mir meinen Lebensunterhalt und Budget zum Reisen erarbeitet.

    In Hastings habe ich Steinobst-Bäume beschnitten – jedoch auf Grund des vielen Regens und den leeren Kassen der Obstbauern nur wenige Tage. Mehr ertragreich war hingegen die Arbeit in WineWorks – einer Wein-Abfüllanlage. Viele Nacht- und Doppelschichten haben in zwei Monaten die Kassen gut gefüllt und mich auf die Südinsel katapultiert. Wo ich nach erfolgloser Jobsuche in Queenstown im benachbarten Cromwell Unterkunft und Arbeit für einen reichlichen Monat gefunden hatte. Doch nach einem Monat Reisen mit meiner Freundin war von den in 7-Tage-Wochen verdienten Geld nichtmehr viel da. Ein bischen mehr anpacken mussten wir dann zusammen mit Motueka. Zuerst haben wir uns gute zwei Monate mit Äpfeln und dann noch einen Monat mit Kiwi-Früchten geplagt. Doch dieses Kapitel ist nun vorbei. Keine Arbeit mehr für uns in Neuseeland.

    Der Auszug aus Neuseeland steht an – meine Reise befindet sich in den Zügen der letzten zwei Monate. Die Nordinsel in ihrer ganzen Länge steht auf dem Programm. Begonnen hat die Reise aber schon heute morgen auf der Türschwelle des Motels in Motueka. Nach drei Stunden Fahrt über bergige, kurvenreise  Straßen durch die wolkenverhangenen Berge erreichen wir wieder Picton – Wo meine Reise auf die Südinsel vor knapp sechs Monaten begonnen hat.

    Im Winter kehrt sich das Katz- und Mausspiel von Backpackern und Hostels um! Jetzt werden potentielle Kunden und keine Betten gejagt! Wir werden also in Picton richtig für unser bescheidenes Geld verwöhnt: Aufpreisfreier Umzug ins En-Suite Zimmer mit Heizung, Schockoladen-Pudding und “all-you-can-eat-breakfast” (Frühstücksbuffee)

    So lässt’s sichs leben! Am Dienstag geht die Fähre nach “Windy-Welly” – Der Haupstadt Wellington.

    06exodus-0

    Die letzte Woche in Motueka bricht an!

    Drei Monate haben wir nun hier verbracht. Am Sonntag mussten wir von unserem geliebten Haus abschied nehmen. Zwar war es manchmal bitterkalt – jedoch hatten wir es ganz für uns allein und konnten alles sauber und ordentlich halten. Kein Gestank, kein dreckiges Geschirr und keine Essensreste überall. Wir konnten kochen, duschen und essen wann wir wollten. Eben der Luxus der eigenen vier Wände.

    Jetzt geht es wieder zurück ins Leben eines Backpackers: In der alten, ranzigen Küche um Herdplatten, sauberes Geschirr und Kochutensilien kämpfen; auf die Dusche warten; versuchen das Schnarchen der Mitbewohner zu ignorieren und beim Schlafen wieder einen Pyjama tragen. Nur ein Gedanke tröstet:

    In einer Woche ist alles vorbei. Bis dahin sollten wieder einmal rund 20 Mio Kiwi-Früchte sortiert in den Pappkartons liegen und die Sklavenarbeit von Pickern und Packern vorbei sein. Der Wunsch meiner Freundin für die Zeit danach: zwei Tage nur schlafen bitte!

    Ich hoffe das Geld reicht für die nächsten knappen zwei Monate zum Leben und um den ein oder anderen Traum zu erfüllen.